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"It's a magical device"

Warum das iPad der Computer ist, den wir alle haben wollten, es aber nicht wussten

Seit sich Ende 2009 die Hinweise und Gerüchte verdichteten, dass Apple möglicherweise an einem Tablet Computer arbeitete, kannte die Tech-Blogger- und Gadget-Fan-Gemeinde kein anderes Thema mehr.

Es wurde analysiert und spekuliert als ob es kein Morgen gäbe. Jeder fühlte sich dazu berufen seine eigenen Wunschträume und Fantasien in das mythische Tablet hineinzuinterpretieren.

Als Steve Jobs dann im Januar 2010 endlich das iPad präsentierte, passierte was unweigerlich passieren musste, viele waren enttäuscht. Es stellte sich heraus, dass auch Apple nur mit Wasser kocht, statt mit Einhorn-Tränen. Keine Kamera? Kein Multi-Tasking? Kein dies, kein das. Nur ein überdimensioniertes iPhone? Und dann besitzt Steve Jobs auch noch die Dreistigkeit dieses Gerät als "magical" zu bezeichnen?

Für einen kurzen Moment stand die Welt der Technik-Fans still. Dann überschlugen sich alle mit Kritik am iPad.
Was ist schief gelaufen?
Wie konnte Apple uns so enttäuschen?


Die Antwort ist simple. Das iPad ist nicht, und war nie, für die Technik-Begeisterten gedacht.

Seit den ersten Computern kannte die IT-Welt nur eine Richtung: Schneller, Mehr, Besser. Alle arbeiteten unter der Prämisse, dass der PC, so wie wir ihn kennen die beste Lösung für alle war. Wir haben unsere einzelnen Programme in den verschiedenen Fensterchen, die wir uns irgendwo aus dem Internet oder im MediaMarkt um die Ecke zusammenkaufen und mit der Maus durch die Gegend schieben können. Egal ob Windows, Linux oder Mac. Alle Betriebssysteme arbeiteten mit diesem Paradigma.

Auch die Programme, die geschrieben worden sind, wurden immer umfangreicher und komplexer. Denken wir mal an Excel. Jeder kennt das Tabellenverarbeitungsprogramm von Microsoft, aber kannst Du guten Gewissens behaupten, dass du auch nur die Hälfte aller Funktionen, die das Programm anbietet verstehst oder gar benutzt? Ich arbeite fast täglich mit Excel und ich entdecke immer wieder einen Knopf, den ich vorher nicht kannte und den ich auch wahrscheinlich in ein paar Tagen wieder vergessen werde.

Für mich als computeraffinen Menschen stellt die Komplexität kein Problem dar. Ich weiß genügend über die grundlegende Arbeitsweise des PCs um abschätzen zu können, welcher Knopf dazu führt, dass der Text fett wird und welcher letztendlich dafür sorgt, dass der Computer explodiert. Aber, ob man es nun glaubt oder nicht, es gibt da draußen eine ganze Menge Leute, die den PC einfach nur benutzen wollen ohne sich Gedanken darüber zu machen wie er funktioniert oder wie man dieses und jenes anpassen und verändern kann. Und, genauso wie jeder ein Auto fahren kann, ohne zu wissen, wie es funktioniert, so sollte es bei Computern auch sein.

Es kann einfach nicht sein, dass Jahre nach dem in jedem Haushalt ein PC steht, eine unbedachte Aktion dazu führt, dass der PC nicht mehr startet. Und hier liegt für viele Benutzer die Crux. Sie wissen, dass Sie den PC kaputt machen können, aber Sie wissen nicht, welche der vielen Knöpfe dafür verantwortlich ist. Deswegen sind Sie vorsichtig bei der Bedienung, wenig experimentierfreudig und empfinden letztendlich die Arbeit am PC eben eher als eine Notwendigkeit als etwas Unterhaltsames.

Klar werden sich jetzt viele denken: "Die Arbeit am PC ist eben Arbeit und soll ja auch keinen Spaß machen". Das stimmt schon, aber sind wir nicht alle produktiver und auch glücklicher, wenn wir ein wenig Freude an dem haben, was wir machen?

Auftritt: mythisches Einhorn iPad

Hier kommt nun also Apple mit dem iPad. Ein Computer, der so einfach zu bedienen ist wie ein Telefon. Ja, aufgrund des wunderbar durchdachten und ästhetisch ansprechenden Interfaces sogar einfacher als so manches Telefon.

Multitasking? Nö, eine Aufgabe, eine Anwendung. Du willst surfen, Du startest den Browser. Der Browser nimmt den ganzen Bildschirm ein, alle anderen Anwendungen werden geschlossen. Simple und einleuchtend.
Keine Programme im Hintergrund, die vielleicht oder auch nicht da unten in der Taskleiste zu finden sind und Ressourcen verbrauchen obwohl ich sie gar nicht brauche. Keine komischen Meldungen, dass irgendein Programm irgendein Update heruntergeladen hat und ich auf einmal den PC neustarten muss, obwohl ich das doch gar nicht veranlasst habe.

Zugriff auf das Dateisystem? Nö. Wer auch immer auf den Gedanken gekommen ist, dass es eine gute Idee wäre den Benutzer auswählen zu lassen, wohin er Programme, Dateien oder was noch speichert und diese dann über den "Explorer" oder "Finder" wieder selber suchen muss, hat seine Mutter offenbar nicht sonderlich gemocht.
Ihr seid doch die Techniker, wieso soll ich bestimmen welche Datei und welches Programm wohin gespeichert wird?

Apropos Programme. Welche gibt es und wo kriege ich die eigentlich her? Und viel wichtiger, wie installiere ich die und wie sorge ich dafür, dass ich es nach dem installieren auch starten kann und wieso sagt mir das Programm beim Starten, dass es froggelwoggeldidupp.dll nicht finden kann? Und was ist überhaupt eine .dll und wieso soll ich wissen, wo diese .dll ist, wenn sie das Programm selbst nicht finden kann? Außerdem hat mein Sohn mir gesagt, dass ich darauf achten muss für welches Betriebssystem die Programme sind und welche Systemanforderungen das hat, da steht dann immer soetwas wie Pensium Vier oder höher, aber ich weiß ja eigentlich garnicht ob mein Kor Zwei duo jetzt höher ist oder nicht. Ich glaube kor 2 duo ist niedriger, weil zwei ist ja weniger als vier.

Und im Vergleich beim iPad? Alle Programme sind im App Store zu finden, nachdem ich einmal mein Konto angelegt habe kann ich jedes einfach kaufen & installieren, indem ich den kleinen grünen "Kaufen" Knopf drücke. Jedes Programm, dass mir angeboten wird funktioniert auch garantiert auf dem iPad und weil Apple auch noch darüber wacht, welche Programme in den Store gelangen brauche ich keine Angst haben, dass ich irgendetwas schädliches oder gefährliches herunterlade. Nach dem Installationsvorgang, bei dem ich absolut nichts machen oder beachten muss erscheint das Icon auf dem Desktop. Zum starten mit dem Finger drauf tippen. Fertig. Zum deinstallieren einfach auf das kleine "X" drücken.

Das nenne ich Benutzerfreundlich

Und um dem ganzen die ultimative Krone der Benutzerfreundlichkeit auf zu setzen. Die einzige Taste, die das iPad besitzt. Der revolutionäre "Home"-Button. Oder wie ich ihn auch gerne nenne: Die "Panik-Taste". Ja, für uns computeraffinen mag das eine praktische kleine Taste sein, aber revolutionär? Was für uns nur eine weitere Taste ist, ist für den Normalbenutzer die eingebaute schusssichere Schwimmweste inklusive Fallschirm. Dank der "Panik-Taste" kann ich mich ohne eine sorge in der Welt in das tiefste Untermenü und die exotischste Einstellung wagen ohne jemals Angst zu haben etwas kaputt zu machen. Wenn ich nicht mehr weiter weiß drücke ich einfach die Panik-Taste und das System kehrt wie von Zauberhand zum status quo zurück. Genial.

Was bleibt übrig, wenn man all diese Komplexität weg nimmt?

Zauberei. Ja, das ist es was Steve Jobs meinte, als er sagte es wäre ein "magical device". Zauberhaft eben weil es wie von Zauberhand funktioniert. Der Benutzer wird durch eine vollkommen undurchlässige Oberfläche vom eigentlichen System getrennt. Wie das Gerät im Hintergrund funktioniert bleibt verborgen, denn, seien wir mal ehrlich, eigentlich interessiert uns das auch nicht. Dies ist Apples Kampfansage an den "Explorer" und an die Installations-Dialoge, an die Einstellungsmenüs, Optionen, Konfigurationen.

Das dieses Gerät zufällig im Tablet-Format daherkommt ist nur die konsequente Fortführung des Gedankens. Maus und Tastatur sind Hilfsmittel, die wir erlernen müssen um mit dem PC zu interagieren. Das iPad wie ein Buch oder Blatt Papier in die Hand zu nehmen und damit durch antippen mit dem Finger zu interagieren ist deutlich direkter und natürlicher.

Ist das iPad nun also das ultimative Spielzeug für die Technikbegeisterten da draußen? Offensichtlich nicht.

Das iPad ist die Speerspitze der größten Revolution im IT-Bereich seit Einführung von Maus & graphischer Benutzeroberfläche (1984 durch Apple übrigens). Sicher, es ist noch nicht perfekt und kann den PC noch nicht vollständig ersetzen, aber es tut 95% der Dinge die ein normaler Benutzer mit dem PC macht, mit 5% des Aufwands.

Und das ist, in der Tat, einfach zauberhaft.

Sorry Mr. Fancypants-elite-programmer-gadgetfreak-knowitall, aber diese Runde geht an Lisa & Otto Normalverbraucher.
124 Mal gelesen
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6. Mai 2010, 18:40

Kommentare

(2)
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gsxr 6. Mai 2010, 19:02

Oh Gott, oh Gott! Wo bleibt der Cut?

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Klener 6. Mai 2010, 21:08

Leider das Selbe wie mit dem anderen Artikel, 1:1 übernommen, was mögliche Folgen sind kannst du aus meinem anderem Kommentar entnehmen.


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