Die ersten Befürchtungen waren zwar schon wenige Tage nach dem schweren Erdbeben und den darauffolgenden Problemen in den Atomkraftwerken in Japan vorhanden, damals schien aber überraschenderweise noch alles rund zu laufen. Wie viele deutsche Händler und Hersteller zu vermelden wissen, herrschen bei vielen Produkten aus dem asiatischen Inselstaat starke Lieferengpässe. Nach einer aktuellen Umfrage sieht es mittlerweile bei jedem zweiten Unternehmen so aus, dass oftmals längere Zeit vergehen würde, bis endlich die bestellte Menge eines bestimmten Elektronikproduktes tatsächlich eingeht. Im Vergleich zu früheren Umfragen und Analysen hat sich die Zahl der betroffenen Händler und Hersteller inzwischen verdreifacht. Doch auch für die nähere Zukunft soll es nicht wirklich besser aussehen. Etwa jeder fünfte Händler geht davon aus, dass sich die Lage auch in den nächsten Wochen und Monaten nicht beruhigen wird und somit weitere Lieferengpässe entstehen werden. Allerdings dürfte es innerhalb der IT-Branche einige Bereich geben, die von der Krise besonders stark betroffen sind. So treten die meisten Komplikationen bei Lieferungen von Halbleitern, Festplatten, elektronischen Bauteilen und Chips auf. Bei bestimmten Produkten sollten sich die Nutzer womöglich auch auf eine baldige Preiserhöhung gefasst machen. Relativ viele Hersteller die bestimmte Komponenten aus Japan beziehen, müssen seit kurzer Zeit zu einem teureren Preis einkaufen. In vielen Fällen werden dann wohl die Konsumenten die Leidtragenden sein, die dann im Laden einen höheren Preis bezahlen müssen. Sogar zahlreiche Hersteller und Händler, die noch nicht von einer Preiserhöhung betroffen sind gehen mittlerweile davon aus, dass die Kosten für einzelne Komponenten in der nächsten Zeit anziehen werden. Manche Segmente scheinen von einer potentiellen Erhöhung der Preise noch nichts zu merken. Dies unterstreicht die Tatsache, dass etwa jeder zweite Befragte keine Veränderungen bei den Einkaufspreisen feststellen konnte.
Abgesehen von leichten Preiserhöhungen werden die Konsumenten von den Lieferengpässen der japanischen Produzenten wohl nichts zu spüren bekommen. Wobei es jedoch in einzelnen Fällen durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass mit etwas längeren Wartezeiten zu rechnen ist. Während sich die Hersteller und Händler in Deutschland mit vergleichsweise „einfachen“ Problemen herumschlagen, sieht die Situation für die Japaner weiterhin nicht besonders gut aus. Zwar verschwinden die Horrormeldungen langsam aus den Medien, von einem gewöhnlichen Alltag kann aber wohl noch lange nicht gesprochen werden. Noch immer bestehen immense Probleme mit der Stromzufuhr über die Atomkraftwerke. Im besten Fall stehen dem Staat nur rund 70 Prozent der üblichen Stromerzeugungskapazität zur Verfügung. Hin und wieder ist es sogar erforderlich, größere Produktionsstätten für eine gewisse Zeit vom Strom zu trennen. Dabei würden speziell Produzenten von Hightech-Komponenten jede verfügbare Menge Strom benötigen. Die Situation für die japanischen Lieferanten könnte sich aber in den kommenden Wochen und Monaten weiter zuspitzen. Neben den Stromproblemen scheinen sich auch viele Unternehmen in Deutschland und anderen europäischen Ländern nach neuen Lieferanten umzusehen, die eine schnellere Lieferung möglich machen.


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