
Während der Computerproduzent Lenovo in seiner Heimat China bereits unumstrittener Marktführer im Bereich Personal Computing ist, fehlt in Deutschland und anderen europäischen Ländern noch ein ganzes Stück, um den Thron zu erobern. Das chinesische Unternehmen scheint aber nun den nächsten Schritt zu planen, um auch in Europa voll durchzustarten. Scheinbar ist Lenovo an einer Übernahme des deutschen Elektronikproduzenten Medion interessiert. Gegen die stattliche Summe von etwa 629 Millionen Euro könnte das Unternehmen schon in Kürze in die Hände der Chinesen gelangen. Dass es ein solches Angebot tatsächlich gegeben hat, wurde mittlerweile von beiden Seiten bestätigt. Zumindest die beiden Parteien sollen sich soweit auch schon einig sein. Gerd Brachmann – Gründer des deutschen Unternehmens – scheint dieser Aktion bereits seinen Segen gegeben zu haben.
Dabei soll Brachmann bereits 36,66 Prozent der Medion-Aktien für einen Gegenwert von 231 Millionen Euro verkauft haben. Diese Summe wird von den Chinesen zu 4/5 mit Bargeld gedeckt, für den offenen Betrag sollen Lenovo-Aktien in den Besitz des Medion-Gründers gehen. Das große Ziel von Lenovo sei von jeher der Besitz von zumindest 51 Prozent der Medion-Aktien gewesen. Aktuell fehlen dem chinesischen Unternehmen nur noch etwas mehr als 14 Prozent. Allerdings dürfte es nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis diese Marke dann schlussendlich überschritten wird. Wer zum jetzigen Zeitpunkt noch im Besitz von Medion-Aktien ist, kann diese gegen 13 Euro das Stück an Lenovo verkaufen.
Damit würde Lenovo knapp 18 Prozent mehr als den ursprünglichen Börsenwert für eine Aktie bezahlen. Durch die mögliche Übernahme Medions verspricht sich das Unternehmen eine deutliche Steigerung des Marktanteils im Westen Europas. Die Anteile in diesen Gebieten sollen sich von aktuell 7,5 Prozent auf etwa 13 bis 15 Prozent erhöhen. Der Kauf des deutschen Unternehmens soll aber nur der Anfang einer wahren Übernahmewelle sein. Wie Konzernchef Yang Yuanqing ankündigte, sollen auch Unternehmen aus anderen Gebieten übernommen werden. Durch diese Aktionen möchte sich das chinesische Unternehmen Lenovo langsam aber sicher zum weltweit größten Computerhersteller mausern.
Aktuell besitzt Lenovo einen weltweiten Marktanteil von rund 9,7 Prozent. Damit besteht nur ein relativ geringer Unterschied zu den besserplatzierten Unternehmen Dell und Acer. Lediglich HP mit einem weltweiten Marktanteil von 18,9 Prozent liegt aktuell noch in weiter Ferne. In Deutschland ist Medion vor allem dank der Kooperation mit dem Lebensmittel-Discounter Aldi bekannt. Neben gewöhnlichen Computern und Notebooks vertreibt der deutsche Konzern auch immer wieder Kameras oder Navigationsgeräte über den Handelspartner. Ob diese Zusammenarbeit auch nach einer Übernahme von Lenovo Bestand hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss.


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