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Wie meine Startup-Idee gestohlen wurde – Teil 1: Sind das meine Initialen?

In den 21 Jahren, in denen ich mich mit Unternehmensgründungen beschäftige, sind mir meine Ideen zwei Mal “gestohlen” worden. Beim ersten Mal war es beinahe kritisch, beim zweiten Mal nicht – hiervon handelt dieser Bericht.

Sorgen aus der Garage
Eines der Bedenken, das ich oftmals von Unternehmern (nicht nur von meinen Studenten) höre ist, dass eine kundennahe Entwicklung bedeutet, Ideen an denen man arbeitet in die Welt hinauszutragen und man damit riskiert, dass jemand diese Ideen klaut. All die harte Arbeit wäre dann umsonst gewesen.

Dies ist mir in meiner Laufbahn tatsächlich zwei Mal passiert.
Das erste Mal war, während meiner Zeit bei Rocket Science Games. Ich wollte das Unternehmen als Parusie der Videospielindustrie an der Kreuzung „Hollywood trifft Silicon Valley“ aufstellen. Eine perfekte Positionierung, die uns dabei unterstützte viele Gelder einzuholen und jede Menge Aufmerksamkeit seitens der Presse zu generieren. Ich habe eine geniale Präsentation zusammengestellt, die (mir) diesen unausweichlichen Trend verdeutlichte. Am Ende der Präsentation zeigte ich eine „Über“-Folie, an der ich mehrere Monate lang gearbeitet hatte und die alle konvergierenden Trends der Branche umfasste. Ich benutzte Sie in allen Vorträgen und industriespezifischen Konferenzen.

Sind das meine Initialen auf der Folie?
Spulen wir neun Monate vor. Mein Mitgründer — Leiter des Business Developments — und ich waren in Japan, um Geld aufzubringen. Wir saßen im Konferenzraum einer großen, angesehenen Medienfirma, als der Geschäftsführer in den Raum wehte, um uns eine Übersicht darüber zu geben, mit wem wir es zu tun haben und wie vorausschauend sein Unternehmen denkt. Ich hielt viel auf diese Firma und hatte Ehrfurcht vor ihren Inhalten und Filmen, so dass ich ein wenig überrascht war, als der Geschäftsführer zum Ende seiner Präsentation kam. Es war, wie er es formulierte, die Summe ihrer Planung und ihres strategischen Denkens in Bezug auf Online-Medien. Und die Folie war…

…meine eigene!

Es war weder eine Zusammenfassung meiner Folie noch eine japanische Kopie, sondern tatsächlich meine Folie. Ich stand auf und ging auf die Leinwand zu, um deutlicher zu sehen zu können und um auf Nummer sicher zu gehen. Der CEO strahlte auf Grund meines Interesses an den Details. Nachdem ich die Folie untersucht hatte, deutete ich auf die untere rechte Ecke und sagte zu unserem Übersetzer: „Sagen Sie ihm, dass das dort unten meine Initialen sind.“ Der Übersetzer wurde weiß im Gesicht und nach vielfachem „Das kann ich ihm nicht sagen“, willigte er ein.

Wir wussten nicht genau, ob wir beleidigt sein oder es als Kompliment auffassen sollten, aber nach mehrfachem tiefen Durchatmen (und einigen Tritten, die mir mein Business-Development-Leiter unter dem Tisch zufügte), nutzte mein cleverer Vizepräsident die Gelegenheit, um herauszustellen, wie geehrt wir uns fühlen, dass eine offensichtlich gleiche, strategische Ausrichtung zwischen unseren Unternehmen besteht. (Ich saß mit einem eisernen Lächeln da.) Obwohl die Situation Potenzial für eine interkulturelle Kernschmelze hatte, verhielten sich alle Parteien höflich. Es stellte sich heraus, dass der Geschäftsführer ein netter Kerl war, der einen Tourbus mietete, um uns und all seine Angestellten zum Sightseeing, Essen und Trinken quer durch Tokyo zu fahren. (Ich bin mir sicher, dass er bei seiner Rückkehr ins Büro dem verantwortlichen Angestellten, der sich meine Folie geborgt hat, ein personalisiertes Messer überreicht hat.)

Am Ende konnte der Geschäftsführer seine Direktoren jedoch nicht davon überzeugen, uns Geld zum Ausgleich für die japanischen Vertriebsrechte und einige Anteile zu überlassen. Schließendlich bekamen wir Geld von Sega.

Später erfuhr ich, dass die Folie aus seiner Präsentation verschwunden war.

Das nächste Mal, als eine meiner Ideen “ausgeliehen” wurde, war die Situation weniger gutartig und ähnelte vielmehr dem Albtraum eines jeden Gründers. Mehr dazu im nächsten Eintrag.

Was wir gelernt haben
— Wenn Sie eine öffentliche Präsentation halten, sollten Sie davon ausgehen, dass jeder — inklusive Ihrer Konkurrenten — diese Folien haben wird.
— Wenn Sie Ihre Folien privat präsentieren, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Konkurrenten sie an sich bringen.
— Veröffentlichen Sie niemals Ihre Geschäftsgeheimnisse, proprietäre Algorithmen, patentierbare Techniken, geheime Zutaten usw. auf Ihren Präsentationsfolien – niemals!
— Damit haben Sie immer noch jede Menge Gesprächsstoff für ein erstes und sogar zweites Meeting.
— Bei Folien, die Diagramme oder Zeichnungen enthalten, die Sie entworfen haben, sollten Sie Ihre Initialen und das aktuelle Datum auf der Folie vermerken.

Ich hoffe meine Übersetzung hat euch gefallen
Das Original findet ihr hier

Upd: Teil 2 Teil 3
2036 Mal gelesen
+4
22. Jan 2010, 18:43

Kommentare

(3)
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+2
v x
Zimon 22. Jan 2010, 19:58

Wow,
sehr interessanter Artikel «brainstorming»! Ich bin darüber beeindruckt das Sie die Fassung bewahrt haben als Sie Ihre! Folie in Japan gesehen haben. Man sollte dazu sagen das die Idee in einem anderen Land wieder «frei verfügbar» wäre wenn sie nicht weltweit patentiert worden ist bzw. ein Gebrauchsmuster angemeldet wurde, aber allein die Dreistigkeit ein und dieselbe Folie zu übernehmen ist doch wirklich erschreckend.
Im Allgemeinen fande ich den Artikel sehr interessant und ich werde mich auch den nächsten durchlesen um genau auf solche Dinge acht zu nehmen.

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v x
brainstorming 22. Jan 2010, 21:05

Dieser Artikel ist nicht von mir (Original). Ich finde aber den sehr interessant und habe deswegen übersetzt. Ich bin auch schon fast fertig mit den nächsten Teilen ;)

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v x
cyprezz 26. Jan 2010, 00:52

interessant!


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