
Hat man sich jemals hingesetzt und über die Logik von Zeitreisen nachgedacht – ohne vorher Zurück in die Zukunft gesehen zu haben? Umso mehr man versucht einen Sinn darin zu finden wie das ganze überhaupt funktionieren könnte und sich alle Fakten genaustens anschaut, dessen Gehirn wird schon bald nicht mehr richtig funktionieren. Hazardous Entertainment hat anscheinend einige Köpfe rauchen lassen und die Zeitreise in einem Spiel verpackt – Achron. Dieser Echtzeit Strategie Epos versetzt den Spieler in die Lage mit der Zeit zu spielen. Die Zeitreise — Mechanik, welche von Hazardous Entertainment in Szene gesetzt wurde, versetzt den Spieler nicht zu selten in einen "Wow!" -Moment. Leider wird nicht alles so toll in Szene gesetzt wie erwünscht und die Fundamente bleiben eben nur Fundamente und Grundgedanken die leider nicht richtig gut umgesetzt werden konnten. Achron ist auch nicht gerade schön gestaltet und die Grafik ist ehrlich gesagt Miserabel. Das erschreckende ist, dass einige Einheiten sogar verwechselt werden können – eine ähnelt der anderen. Das Spiel lockt dennoch einige Spieler aus der Reserve, da es eben was absolut Neues in dieser Form auf die Bildschirme zaubert. Es soll über die Drei Dimensionen die der Mensch bereits kennt geblickt werden und es soll versucht werden zu verstehen, wie es sein könnte. Dieses Spiel ist jedenfalls ein perfekter Beweis dafür, dass Innovative Ideen definitiv gute Sponsoren bräuchten. Was bringt das Spiel? Ein tiefer Blick ins Spielgeschehen soll für Aufklärung sorgen.
Das Spiel
Achrons Grundgedanken basieren auf einem typischen Science-Fiction Strategie Spiel. Als eine von 3 Rassen werden Ressourcen gesammelt, Technologien erforscht, sowie Gebäude gebaut, als auch produziert was das Zeug hält und es wird selbstverständlich gekämpft. Das einzige was Spiele wie Age of Empires und Starcraft nicht beinhalten ist der Faktor, etwas Komplexitität mit in die Sache einzubinden. Die Linie am Boden des Bildschirmes soll zunächst die Zeit repräsentieren. Klickt man somit auf eine bestimmte Stelle auf der Linie, wird man in die Zukunft, Gegenwart oder Vergangenheit teleportiert und die reale Gegenwart wird zur ingame Vergangenheit (oder Zukunft). Allerdings verändern die eigenen Aktionen nicht die gegnerischen Strategien und vor allem nicht die Zeiten in denen sich der Gegenüber befindet. Jeder Spieler zieht hier an seinem eigenen Strang und in seiner persönlichen Zeitphase in dieser komplexen surrealen Welt, kann sich jeder Spieler individuell entfalten und eine Menge ausprobieren. So sind Zukunft und Vergangenheit nur einen einzigen Mausklick voneinander entfernt und das entstehen besonders am Anfang des Spiels die zuanfangs erwähnten „Ist nicht wahr?!" -Momente.
Das Spiel ist sinnvoll angelegt, denn die Fähigkeit des Spielers seine Einheiten zu kontrollieren erhält Grenzen, sobald man zu oft in die Vergangenheit reisen möchte. So hat ein Spieler, der oft in die Vergangenheit reist, im späteren Spielverlauf (in der virtuellen Zukunft) weniger Macht über den Spielverlauf, als der Spieler, welcher eiskalt seine Pläne durchgezogen hat.

Das Spielverständniss
Zuanfang ist das ganze Konzept für nahezu jeden Spieler sicherlich erstaunlich. Neue Spieler im allgemeinen, sollten sich erstmal die Mechanik im Singleplayer einstudieren, bevor es in die Multiplayer Hölle geht. Jedoch gibt es sicherlich auch dort Probleme und es müssen sogar von einigen erfahrenen Spielern einige Missionen einige Male gespielt werden, ehe man begriffen hat, was das Spiel einen lehren will. Achron macht einen guten Job die Basics zu vermitteln, die Komplexität der Details sollte jedoch jeder für sich selbst herausfinden, denn darin liegt offenbar der Reiz. Man sollte also ein wenig Geduld und Intelligenz mitbringe, wenn man sich an Achron nicht die Zähne ausbeissen möchte. Wenn dann endlich die „Achso deswegen!" — Momente dann endlich in unser Gehirn gelangen, so könnte es zu Kopfschmerzen führen und das Gehirn förmlich zum glühen bringen.
Ein kleines Beispiel sollte es erklären: Der Kampf mit den eigenen Einheiten verläuft nicht so wie geplant, also wird die Zeit einfach zurückgespult und es werden hoffentlich klügere Befehle erteilt etc. Ein anderes Szenario: Man gehe in die Zukunft und mache "Falsche" Befehle um den Gegner zu verunsichern. Eine noch klügere Möglichkeit wäre inmitten eines Kampfes ein Stargate zu erschaffen und Einheiten aus der Zukunft mit einzubinden – und siehe da — Achron sei Dank kann man nun klonen. Gleichzeitig muss auf die Zeitwelle geachtet werden die in periodischen Abständen über den Bildschirm huscht, diese speichert sozusagen Geschehnisse ab und verändert abgeschlossene Befehle und passt diese gleichzeitig an die Gegenwart an. Außerdem gibt es auch andere Mechaniken, wie zum Beispiel das teleportieren und man vergesse die Gruppenhierarchie der eigenen Truppen nicht. Sogar nach stundenlangem Daddeln, begegnet man Dingen die wieder das Gehirn extremst fordern und sich gewundert wird was zum Teufel wieder los ist und wie zum Teufel man es aufhalten kann. Gegner tauchen zum Beispiel aus dem Nichts auf. Ganze eigene Horden von Einheiten verschwinden plötzlich und das Spiel geht weiter als wäre nichts geschehen. Zerstörte Gebäude können plötzlich wieder komplett aufgebaut sein.
Dieses Spiel ist also nichts für Grünschnäbel der Spielewelt. Nur erfahrene Veteranen die schon alles ausprobiert haben, können mit diesem Spiel wirklich jede Menge Spaß haben. Ist man so ein Fanatiker, sind die Eindrücke die man sammelt ebenso berauschend wie auch unerklärlich – zu Anfang jedenfalls. Nutze die Zeit um eine Flotte von Schlachtschiffen zu klonen und direkt in die Basis deiner Feinde zu befördern. Sieh zu wie das Chaos ausartet, obwohl du genau weisst das in der Zukunft alles gut verläuft. Diese mächtige Idee wird man in keinem anderen Spiel wiederentdecken und es ist einfach faszinierend wie alles zusammenspielt – vorausgesetzt man versteht es.
Die Rassen
Die Unterschiede der 3 unterschiedlichen Rassen bringen sogar noch mehr Verwirrung in diese brillante Konfusion. Die Menschen haben zum Beispiel sehr lustige Waffen, mit denen es teilweise möglich ist Einheiten in andere Regionen zu katapultieren. Die Alien Fraktionen – die Grekim und die Vecgir- sind eher sehr ungewöhnlich. Bei den Vecgirs werden Einheiten in Vehikel gesteckt und wenn diese zerstört werden, kämpfen die übriggebliebenen Einheiten weiter bis zum Tod. Diese Rasse glänzt vor allem mit der Schnelligkeit: Mit dem richtigen Upgrade kann man sogar ohne Stargate Tor teleportieren. So ist es möglich über die Karte zu huschen und der Gegner sich immernoch wundert wo dnen nun der Gegner bleibt? Bei den Grekim dreht sich alles um das Klonen. Truppen und truppenproduzierende Strukturen sind ein und das selbe, so werden 2 Einheiten nebeneinander gestellt (so wird der Progenerations-Modus eingeleitet) und diese können weitere Einheiten jedes Typs produzieren. Die Rasse lässt sich gut spielen und viele der Einheiten können wie in dem Film „Jumper" die Hauptrolle einnehmen.
Wie fast alle Spiele heutzutage glänzt auch Achron am besten in Multiplayer Matches. Es gibt eine große Anzahl an verschiedenen Karten, die weitgehend wie normale RTS Karten aufgebaut sind, jedoch gibt es eine gewisse Anzahl an Karten, die mit vielen Teleportern und Zeitreisemaschinen versehen sind, sodass die Zeitmanipulationen umso komplizierter von statten gehen. Wenn man sich Achron nur wegen des Singleplayers kauft, kommen die richtig feinen Dinge des Spiels leider nicht sogut zur Geltung. Schlimmstenfalls wird man einfach überfordert und der schlimmste Kritikpunkt des Spiels trifft ein: die Orientierung. In den meisten Strategiespielen läuft es nämlich so ab, dass die Einheiten dahin gehen, wo man sie auch hinschickt. In Achron ist dies meistens nicht der Fall. Bodeneinheiten können sich nur auf speziellem Terrain bewegen und das auch nur auf freiem Gelände. Diese knallen dann ungewollt gegen Steine und Wände wie Fliegen gegen das Fenster. Sie wandern ausserdem absolut ziellos durch die Gegend und es kommt sogar vor, dass ganze Horden von Truppen nicht an großen Kämpfen teilnehmen können, weil ein verwirrtes Alien den Weg blockiert.
Die geringe künstliche Intelligenz der orientierungslosen Einheiten wird bereits in den ersten Missionen der Einzelspieler Kampagne deutlich, denn die Wegsuche ist miserabel (noch schlimmer als Command and Conquer 1 Einheiten).Die Probleme hören hier jedoch noch lange nicht auf. Die Story ist sehr interessant und zieht den Spieler in seinen Bann (vorausgesetzt man möchte mehrere Stunden damit verbringen die Videosequenzen zu genießen), denn 4 Kampagnien und 35 Missionen können sich sehen lassen. Die Audio wurde definitiv nicht von professionellen Kommentatoren aufgenommen, jedoch merkt man das diese deutlichen Spaß bei der Aufnahme hatten und in ihren Rollen aufblühten, sodass man dem ein oder anderen Patzer beim vorlesen der Titel vergeben kann. Wenigstens passt schlechte Audio zu schlechtem Video — das hässliche Interface und die schrecklich Pixeligen Einheiten welche durch die Tundra und die Wüste geschickt werden, sind alles andere als das was man als zeitgemäß bezeichnen würde.

Gefallene Einheiten inmitten eines Gefechtes bleiben nicht liegen, sondern verschwinden einfach vom Bildschirm wie man es aus Amiga Spielen kennt. Die Soundeffekte sind ebenfalls sehr altmodisch und das piepen und tuten erinnert schon ein bischen an alte Mobilfunktelefone. Allerdings fangen die Entwickler doch noch ein Fünkchen an dramatischen Soundeffekten ein. Wie man sich Sounds von Kriegen auf fremden Planeten in etwa so vorstellt jedenfalls. Wie vorher bereits angedeutet sind sich Truppen teilweise so ähnlich, sodass es sehr schwierig ist in brenzligen Situationen schnelle Entscheidungen treffen zu können. In einigen Missionen verschwinden wenige der Einheiten komplett in Hintergrund und Mikro Entscheidungen sind schwer zu fällen. Tatsächlich dauert es eine Weile bis die Kampagne richtig anfängt Spaß zu machen, da es wie bereits erwähnt eine gewisse Weile dauert, bis man sich an die Zeitmanipulation gewöhnt hat. Jede einzelne Mission ist jedoch gut durchdacht und kann auf verschiedene Weisen gemeistert werden. Mit etwas Geschick und etwas Können, sollte man das erste Drittel des Games mit vielen Hürden und Versuchen erfolgreich meistern können. Ab diesem Punkt nämlich beginnt der sehr frustrierende Teil des Spiels, indem man sich dauernd wundern muss, was denn wieder plötzlich geschehen ist und was man tun muss um es zu stoppen.
Merkwürdigerweise gibt es keine Schwierigkeitsstufen – man kriegt was man meistern kann vorgesetzt und muss es schaffen. Genau das trifft auch auf ein Spielchen gegen den Computer zu – dessen AI man als " ungebildet" abstempeln kann. Solange man die Basis vom Spiel verstanden hat, sollte es keine weiteren Probleme mehr geben, den Gegner zu manipulieren, ohne die Zeitmanipulation überhaupt nutzen zu müssen. Die Wegefindung und der AI sind nur zwei der großen Probleme des Spiels. Die gespeicherten Spiele funktionieren nämlich nicht immer so wie man es möchte. Der Platz der Zeitzone könnte falsch sein, die einzelnen Gruppen sind plötzlich alles Einzelgänger und die Kamera könnte am Anfang des Spiels starten – jedoch nicht dort wo man gespeichert hat. Vereinzelt überlappt sich die Schrift sogar, sodass ein unverständliches Wirrwarr auf dem Monitor doch stark an zuwenig Sponsoren erinnert, da es vermutlich an einigen Experten im Team gemangelt hat. Wendet man sich von einer Videosequenz ab und geht kurz etwas zu trinken holen und kehrt wieder – darf man seine toten Truppen begutachten und man fragt sich warum das Spiel nach der Sequenz nicht angehalten wurde, wie man es aus normalen Spielen so kennengelernt hat.
Eine Tabelle mit Endergebnissen zum Vergleich, wie es etwa in Starcraft 2 der Fall ist, fehlt hier leider auch noch, sodass man doch sehr enttäuscht ist, denn soetwas könnte man ohne Probleme mit einbauen können.Was Achron jedoch bietet ist eine große Menge an Inhalt und eine echt Neue und Innovative Art der Strategie. Es scheint das die Rassen erstaunlicherweise sehr ausbalanciert wurden, sodass keine Rasse "überstark" erscheint und jede Klasse die eigenen Stärken bzw. Schwächen hat. Es ist eine Schande, dass die Entwickler an essentiellen Dingen sparen mussten, wenn man bedenkt wieviel Müll aufwendig und überteuert in die Software Welt gefeuert wird. Sollte man also einige Gleichgesinnte finden, die auf alle Macken des Spiels nicht viel geben und die Idee feiern, so könnte Achron online der neue Spielplatz sein. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass diese Zeitmaschine mit alten Schrauben, verrosteten Nägeln und Isolierband und Kleber gebaut wurde...


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