In den letzten Monaten versuchte man vermehrt sogenannte Heimserver in den privaten Haushalten zu etablieren. Die Geräte sollen vor allem als Netzwerkspeicher, für automatische Sicherung der Rechner im Netzwerk, fürs Streaming von Mediendateien ins Heimnetzwerk, aber auch für den Remote- und Onlinezugriff auf die Daten zuhause dienen.Die vor allem auf Windows Home Server basierenden Lösungen sind zwar schon stromsparer, aber in der Regel auch nicht ganz billig zu beschaffen. Günstige Einstiegsgeräte gibt es ohne Festplatten ab ca. 250,00€. Geräte auf der Marvell Kirkwood — Grundlage sind die günstige Alternative, wenn man denn Zeit und Lust hat sich mit der Materie auseinanderzusetzen.
Die SheevaPlug — Plattform ist einer der ersten marktreifen "PlugComputer" gewesen. Mit einem 1.2 GHz Marvell Kirkwood — Prozessor und Linux als Betriebssystem, konnte er in verschiedensten Gebieten eingesetz werden. Viele Hersteller bedienten sich der relativ leistungsfähigen Plattform und bauten günstige NAS-Systeme (Seagate, Netgear, Zyxel, QNAP usw.) auf der Kirkwood-Basis.
Um den Seagate Dockstar, aber auch um den "Nachfolger" Golflex und das leicht abgewandelte Gerät Iomega iConnect bildeten sich kleine Communities. Obwohl die Geräte generell schon auf Linux-Basis laufen, sind derern Systeme doch relativ verschlossen und wer mehr Funktionen haben möchte, der muss zum Bastler werden. Ich habe mich daran versucht eines der Geräte auf Kirkwood-Basis zu kaufen um daraus einen kleinen stromsparenden Heim-Server zu bauen.
Aber warum überhaupt ein Home-Server?
Hier im Netzwerk wartet ein Apple TV 2 mit Jailbreak auf Daten aus dem Netzwerk und fester Rechner und zwei Notebooks bedienen sich auch bei einem Netzwerkspeicher. Aufgrund fehlender Alternativen dient bisher eine Dreambox 800 als NAS. Alles andere als performant, aber es funktioniert. Nun soll sich das ändern und ich beschäftige mich mit einer Frage.
Was soll der kleine Home-Server können?
- Netzwerkspeicher für Windows und Mac — Rechner im Heimnetzwerk, aber auch für die Dreambox 800 für Aufnahmen / Wiedergabe auf / vom Netzwerkspeicher
- Mediastreaming per Netzwerkfreigabe, aber auch uPNP / DLNA
- Fernzugriff per Internet
- TV-Server (Sat-TV über Netzwerk streamen) an XBMC-Client im Netzwerk
- TV-Server (Aufnahmenplanung übers Internet)
Welches Gerät soll es denn nun werden?
Das Dockstar ist mittlerweile nicht mehr, oder nur selten als Neuware zu bekommen. Gebrauchte Geräte wechseln für ca. 55,00€ den Besitzer. Goflex Net und iConnect gibt es für ca. 50,00€. Eine ähnliche Basis haben auch einige Netzwerkspeicher. Ich selbst habe mich für den Kauf eines Zyxel NAS mit gleichem Prozessor entschieden, wobei ich andern trotzdem eher zum Goflex Net oder iConnect raten würde. Bei den beiden Geräten sind die Communities einfach größer und dadurch ist man langfristig vielleicht besser bedient.
Meine Wahl ist trotzdem auf das NAS gefallen, weil ich das Gerät im Zweifel auch im Originalzustand für ein anderes Projekt nutzen kann. Als erster Einstiegspunkt hilft eine Google-Suche nach "Gerätename Debian". Wühlt man sich hier durch die verschiedenen Foren, kommt man schnell an die gewünschten Informationen. Beim iConnect und beim Zyxel-NAS muss man per RS232 auf die serielle Konsole des Gerätes kommen. Das erfordert Bastelarbeit und entsprechende Geräte. Helfen kann auch ein altes umgebautes Nokia-Datenkabel, aber ich selbst nutze einen Breakout-Adapter. Lediglich beim Goflex Net oder dem Bruder Goflex Home genügt wohl eine reine Software-Lösung für die Installation eines offenen Linuxsystems.
Ohne angeschlossene Festplatten verbrauchen solche Geräte um die 5 bis 10 Watt. Server auf Windows-Basis verbrauchen wohl ab 20 Watt. Die 20 Watt sind schon gut, aber hier reden wir auch von Geräten, die ohne Festplatten ca. 260,00€ und mehr kosten. Zur Erinnerung: Wir bewegen uns bei 50 — 60,00€.
Die Installation von Debian und der gewünschten Dienste
Später folgt sicher noch eine detaillierte Installationsanleitung, aber noch muss ich einige Punkte optimieren, denn ich habe die Vermitung, dass der eine oder andere von mir gewählte Weg alles andere als optimal ist.
Den Breakout-Adapter für die RS232 Schnittstelle hatte ich schon. Um dem Vergleich zum Windows-Server auch preislich gerecht zu werden müsste man also noch 5-10,00€ für ein Nokia Datenkabel einplanen.
Schon bei den ersten Schritten zeigt sich, warum meine Wahl des Zyxel-Gerätes nicht die einfachste Möglichkeit ist. Es muss ein USB-Stick vorbereitet werden mit dem Linux Kernel und einigen anderen Sachen. Den Kernel darf man sich selbst kompilieren. Also Linux-Maschine angeworfen und entsprechende Compiler installiert. Mit den bereitgestellten Anleitungen und den Patches gelingt das aber relativ problemlos. Relativ problemlos, weil hier schon einige Lehrstunden vergangen sind. Eine detaillierte Anleitung zum Prozess gibt es in einigen Wochen von mir. Ich werde hier noch Finetuning betreiben müssen.
Mit dem vorbereiteten USB-Stick soll man nun über die serielle Konsole am Board den ganzen Prozess starten. Der Autor nutzte ein Bus-Pirate-Board. Ich selbst habe hier ein günstiges Breakout-Board, aber auch ein altes Nokia-Datenkabel würde genügen. Die Pinouts im Gerät sind schnell gefunden. (GND, NC, RX, TX, VSS). uBoot funktioniert auf dem Geräte nicht über die Netzwerkschnittstelle, deshalb mein vorbereiteter USB-Stick. Wobei ich diese Variante eigentlich immer dem TFTP-Server vorziehen würde, aber da denkt ja jeder anders.
Auf dem FAT16 formatierten USB-Stick findet sich nun also der Kernel, ein uImage und eine Ramdisk. Nach der Eingabe einiger Befehle auf der seriellen Konsole startet tatsächlich ein Debian-System auf dem kleinen NAS. Sogar ein Update auf Wheezy-Pakete lässt sich durchführen. Ich bin begeistert.
Eine der gewünschten Hauptfunktionen auf dem Gerät ist ein VDR-Server. Angeschlossen wird ein Tevii S660 DVB-S2 USB, der als Sat-Empfänger dienen soll. Ich musste noch ein Treiber und die Firmware installieren, aber das ging unproblematisch. Auch die Installation des VDR war dann relativ einfach. Schwieriger wird es, wenn man auch PayTV über einen solchen Server schauen möchte. Entsprechende Abokarten sollen ja auch nur in zertifizierten Receivern und Modulen funktionieren. Dafür gibt es zwar entsprechende VDR-Plugins, die sind aber hierzulande rechtslich wohl eher in der Grauzone. Egal… Ich warte eh nur darauf, dass 9 Live wieder auf Sendung geht.
Als Stromverbrauch messe ich mit einer angeschlossenen Festplatte aktuell 10 Watt. Ich werde noch ein wenig an dem VDR weiterarbeiten und grundsätzlich an einer detaillierten Anleitung arbeiten. Oder soll ich mir lieber auch noch einmal das sicher einfacher umzubauende iConnect anschauen?


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