Die CeBIT 2010 in Hannover hat die die Tore für Fachbesucher geschlossen und so lausche ich im Radio gerne den letzten Trendberichten über das Ausstellungsangebot, nachdem ich mich selbst durch die Messehallen habe treiben lassen.
Nach wie vor sind Netbooks sehr angesagt, werden beim Publikumsinteresse aber von den Touch-Screen Geräten der iPhone und iPad-Klasse noch getoppt, sagt jedenfalls der Redakteur im guten altmodischen Radio.

Alles so schön bunt hier, könnte man meinen, aber dann kommt der Radio-Sprecher auf den BITKOM-Präsidenten Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer zu sprechen. Seine CeBIT Botschaft lautet: fast jeder vierte Deutsche würde sich einen Computerchip implantieren lassen würde, wenn dies bestimmte Vorteile mit sich bringe.
Genannt werden hier die üblichen Early-Adopter Argumente: eine schnellere Rettung im Notfall, bequemeres Einkaufen, aber auch schnellerer Eintritt in die Disco dank Chip-Daten unter der Haut.
Von Rating, Strafverfolgung, Hausarresten und Zugangskontrollen (z.B. in die Innenstädte) redet er (noch) nicht im Zusammenhang mit dieser neuen Orwell-Technik. Auch nicht davon, dass unser Land eine fatale Tradition im Auszeichnen von missliebigen Bevölkerungsgruppen durch das Desaster des II.Weltkrieges überwinden musste.
Woher stammen also diese Umfragedaten? Mich und die Personen in meinem Umfeld scheint niemand gefragt zu haben, sonst hätten wir als repräsentative Teilstichprobe dieses Ergebnis schon relativiert.
Erstaunlich ist aber etwas anderes: Ein RFID-Chip unter der Haut scheint also vielen gar nicht mehr so schlimm zu erscheinen. Dabei ist das alltägliche Verhalten über Handys, Netz, Überwachungskameras, GPS-Geräte und bargeldlosen Transaktionen schon schon heute so gut durchschaubar, dass ein im Körper getragener Chip nur noch ein "Nice-to-Have" für die Behörden darstellt.
Ein RFID-Chip passt also zur transparenten Welt wie die Nummer zum Häftling. Das Einverständnis, auch noch wie ein Tier gechippt zu werden, ist für Manipulatoren wie Herrn Scheer sicherlich nur noch eine Unterwerfung unter das scheinbar Unvermeidliche. Ein Kommentator Lochkarte in den Foren von Telepolis brachte es auf den Punkt: "Ich bin doch kein Zootier. Zumindest glaube ich das."
Den wahren Trend aber setzen gesellschaftliche Kräfte, die Techniken wie das Verstecken, die Heimlichkeit, die Anonymität und die Maske weiter entwickeln — vielleicht auch einen vorübergehenden Ausstieg aus der vernetzten Welt und ihren Fallstricken ermöglichen. In welcher Halle der CeBIT haben die ihre Messe-Stände?
Einige Links zum Thema
Mode mit Funk beiGerry Weber.
Möglicherweise werden Burka-ähnliche Gewänder, die den ganzen Körper einschließlich Gesicht verhüllen, allmählich zu einem Mittel, in öffentlichen Räumen die Erkennung zu umgehen, wenn das Vermummungsverbot nicht auf die Präsenz im gesamten öffentlichen Raum ausgedehnt werden sollte. Glaubt jedenfalls Florian Rötzer und nach dem eine Überwachungskamera auf der CeBIT heraus fand, dass ich in einer Menge stehend a) männlich, b) nicht wütend aber c) lachend vor dem Demo-Bildschirm stand, stimme ich ihm zu.
Köter mit Chips — Englands Regierung will Hunden RFID-Chips einspritzen lassen.


Kommentare
Abgesehen davon das ich mir nichts unter die Haut pflanzen lassen würde, es sei denn bei einer medizinischen Notwendigkeit, sehe ich schon in Bonuskarten eine Gefahr für meine Privatsphäre. Mich hat man bei der Umfrage also auch nicht befragt ;-) Aber so ist das nun mal mit «repräsentativen» Umfragen und Menschen die sich weniger Gedanken über die Folgen als über die lustigen Funktionen von Techniken und anderem machen.
Bleibt nur zu hoffen das Bloger wie du weiterhin gut geschriebene Beiträge über wichtige Themen posten, die eigentlich alle oder zumindest mehr Menschen angehen sollten.
Ich wurde auch nicht gefragt :) Ich würde definitiv mit «nein» antworten.
Wer zählt nicht gern zu den Gewinnern?
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