Im Hinblick auf unsere Geschichte ist es noch nicht lange her, dass das erste Telefongespräch stattfand. Relativ betrachtet, macht das den PC zu einer Erfindung des letzten Jahres und Social Networking wurde dementsprechend nur einen Augenblick später ins Leben gerufen. Stellen Sie sich nur vor, was dann in naher Zukunft kommen wird…
Die Weise, auf die wir zukünftig mit Computern kommunizieren, ist mehr als aufregend. Was vormals wie Science Fiction und Unsinn aus Hollywoodfilmen wirkte, beginnt nun auch im echten Leben Gestalt anzunehmen und einige dieser Technologien sind milde gesagt überwältigend. Hier ein Vorgeschmack darauf, was das Interface-Design der Zukunft zu bieten hat:
Heads-Up- Displays
Obwohl Heads-Up-Displays (oder HUDs) ursprünglich für die Militärluftfahrt entwickelt wurden, damit die Piloten ihren Blick nach vorn gerichtet halten konnten, werden HUDs in vielen weiteren Bereichen angewendet. Heutzutage kommen Sie in vielen Autos und einer Vielzahl experimenteller Szenarien zum Einsatz.

Fahrzeuge
Einige moderne Autos bieten bereits HUDs an, die Informationen wie die Geschwindigkeit oder Drehzahl direkt auf der Windschutzscheibe anzeigen. Es gibt nun sogar schon Heads-Up-Displays zur Befestigung an Motorradhelmen. Bislang haben wir uns jedoch lediglich im Bereich von Fahrzeug-HUDs versucht. Ein Patent von Microsoft zeigt, dass das Unternehmen möglicherweise ein Windschutzscheiben-HUD für Autos entwickelt, das alle erdenklichen Informationen von E-Mails bis zur Temperatur anzeigt. Möglicherweise gibt es eines Tages sogar Windschutzscheiben, die eine verbesserte Nachtsicht oder sogar individualisierbare Widgets bieten.
Eyewear
Es erscheinen jede Menge neuer Eyewear-HUDs am Horizont. Dazu zählen unter anderem eine Brille, die von Brother entwickelt wird und eine Datenbrille, die von den Forschern des deutschen Fraunhofer Instituts für Photonic Microsystems entwickelt wird.
Anwendungen für diese Geräte umschließen das Steuern von Augmented-Reality-Software, die Unterstützung von Ingenieuren und Ärzten und selbst ganz einfache Dinge, wie das Ansehen von Filmen oder das Surfen im Internet, mit dem Unterschied, dass Sie dabei die Hände frei haben. Es scheint, dass viele der neuen Eyewear-HUD-Produkte wahrscheinlich bereits ab 2010 entwickelt werden, aber die genauen Spezifikationen und die Preisfindung sind noch unklar. Falls Sie zu den Bastlern gehören, können Sie möglicherweise selbst einen „tragbaren“ Computer mit einem Heads-Up-Display entwickeln, wie dieser Tüftler hier.

Gestikbasierte Interfaces
Auf Gestik basierte Interfaces befähigen Computer, natürliche menschliche Eigenarten und Bewegungen zu erkennen. Beispielsweise gibt es einige Gestik-basierte Systeme, die Ausdrücke von Emotionen in menschlichen Gesichtern oder die „verborgene“ Sprache von Handbewegungen erkennen. Oftmals dienen Bewegungen dazu, auf nahtlose Weise mit Maschinen zu kommunizieren. Zum Beispiel können zwei Nutzer mit der iPhone 'Bump'-Anwendung Kontaktinformationen austauschen, indem sie ihre Mobiltelefone aneinander stoßen. Ein solches Vorgehen erinnert daran, jemandem physisch zu begegnen oder Visitenkarten auszutauschen und fühlt sich für den Endnutzer viel natürlicher an.
Ebenso verfügt der Palm Pre über ein „Gesten-Pad“, das einfache Daumenbewegungsmuster wie folgende erkennt: ein Wischen von rechts nach links steht für das Zurückblättern oder dafür, eine Anwendung vom Bildschirm zu entfernen, um sie zu verlassen und durch ein langsames nach oben Ziehen wird ein globales Navigations-Menü aufgerufen.
Sie wissen vielleicht, dass es spezielle Tafeln gibt, die Ihre persönliche Handschrift erkennen und einen von Hand geschriebenen Text in Druckschrift digitalisieren, so dass Sie in Computerdokumenten genutzt werden kann. Was Sie jedoch verblüffen könnte, dass eine Gruppe von Wissenschaftlern ein Arbeitsmodell eines neuen Systems entwickelt hat, das dabei ohne einen Stift auskommt. Richtig gelesen. Sie schreiben Ihre Gedanken in die Luft und ein Computer transkribiert sie in einen editierbaren Text. Unabhängig von der Anwendung sind Gestik-basierte Interfaces, die die menschliche Körpersprache erkennen statt mit der archaischen Dateneingabe zu arbeiten, gekommen, um zu bleiben. Sie sind intuitiv, benutzerfreundlich und es ist vielleicht sogar angebracht zu sagen, dass es Spaß macht sie zu nutzen. Haben Sie die neuesten iPods gesehen? Sie brauchen Sie nur zu schütteln, um Ihre Musikliste zu mischen!

Spatial-Motion-Interfaces
In Bezug auf Spatial-Motion-Interfaces gab es eine Reihe viel versprechender Entwicklungen im Bereich der Unterhaltungstechnologie. Hierbei handelt es sich um Schnittstellen, die Bewegungen in einem dreidimensionalen Raum verarbeiten und an ein Gerät weiterleiten. Fast jeder hat von den Motion Controllers der Nintendo Wii gehört. Sony und Microsoft folgen diesem Trend, indem sie in den kommenden Jahren ihre eigenen Entwicklungen vorstellen.
Der Motion Controller der Sony PlayStation ist Sonys Antwort auf das Verlangen des Marktes nach einer Bewegung-basierten Steuerung und übertrifft die Steuerung der Wii dadurch, dass neben Bewegungen und Rotationen auch Entfernungen verarbeitet werden. Möglicherweise noch interessanter in diesem Bereich ist das Spatial-Motion-Interface „Project Natal“ für Microsofts Xbox, bei dem auf Controller verzichtet wird und stattdessen der menschliche Körper zur Steuerung genutzt wird.

Project Natal für die Microsoft Xbox macht den Nutzer zum Controller.
Außerhalb der Spielindustrie entwickelt Toshiba eine eigene Hardware, die aussieht, als hätte man sie direkt aus dem Film Minority Report geholt. Toshiba hofft, dass diese Technologie eines Tages auch im Mainstream-Markt zum Einsatz kommen wird.
Augmented Reality
GPS-Systeme haben, obwohl Sie sehr nützlich sind, den Glanz des Neuen verloren, nachdem Sie in immer mehr Geräten zum Einsatz kommen. Wie wäre es, wenn Ihr GPS anstatt einer Landkarte aus Vogelperspektive mit einer eingezeichneten Route, die Richtungen in einem Live-Video-Feed Ihrer Umgebung integrieren würde?
Das wäre cool, oder?

Wikitude AR Travel Guide
Dies ist eine von vielen potenziellen Anwendungsmöglichkeiten von Augmented-Reality-Systemen: Live-Ansichten der tatsächlichen Umgebung kombiniert mit computergenerierten Bildern. Das entspringt nicht nur Ihrer Fantasie. Tatsächlich gibt es bereits einige Geräte, inklusive einer großen Zahl von Smartphones, die bereits Opfer der AR-Software wurden (vielleicht haben Sie schon vom Wikitude Travel Guide) gehört.
Augmented Reality ist selbstverständlich nicht nur auf die Navigation ausgelegt. Es gibt Applikationen wie 'Yelp' für das iPhone, das Restaurantbewertungen von Nutzern über einen Kamera-Feed wiedergibt. Oder Nokias 'Point and Find', das Nutzern relevante Informationen über Objekte liefert, wenn sie ihre Telefonkamera darauf richten, sowie viele andere praktische Ideen, die in der nahen Zukunft zur Realität werden.
Andere Sensor basierte Interfaces
Neural gesteuerte Interfaces
Telepathie wirkt wie Science Fiction, aber durch Nutzung neuer, Neural basierter Computer Interfaces, ist es zukünftig vielleicht eine gängige Praxis Gedanken zu 'senden'. Vor nur wenigen Monaten wurde vom Neural Interface Lab der University of Wisconsin der erste Gehirn gesteuerte Twitter-Eintrag verfasst.

Eine Firma namens Braingate hat eine ähnliche Technologie entwickelt, die es gelähmten Menschen ermöglicht, durch Gedankenkraft E-Mails abzufragen oder sogar eine Partie Pingpong zu spielen. Die Technologie funktioniert, indem ein kleiner Mikrochip in das Gehirn des Nutzers implantiert wird, der Impulse als Eingaben für die genutzten Geräte versteht. Natürlich steckt diese Technologie noch in den Kinderschuhen und ermöglicht es dem Nutzer momentan nur 10 Zeichen pro Minute zu schreiben, aber die Anwendungsmöglichkeiten für eine solche Technologie sind unbegrenzt. Behinderte Nutzer, die zuvor, wenn überhaupt nur begrenzten Zugang zu E-Mails oder dem Internet hatten, können diese Technologie nutzen, um auf bislang unerreichte Weise zu kommunizieren.
Es wird gehofft, dass diese Technologie eines Tages über das triviale Pingpong-Spiel hinausgeht und sogar gelähmten Menschen hilft, eine Verbindung zwischen dem Gehirn und Muskeln zu erstellen, deren Kommunikation auf Grund einer Rückenmarktverletzung anders nicht stattfinden könnte. In der Zukunft könnte eine solche Verbindung dafür sorgen, dass gelähmte Nutzer möglicherweise wieder bestimmte Muskeln nutzen oder sogar laufen können.
Sprach basierte Interfaces
Sprach basierte Interfaces sind nicht wirklich neu, aber wir finden immer wieder neue Anwendungsmöglichkeiten für deren Einsatz. Von Mobiltelefonen, die einfache Kommandos und Namen verstehen, bis hin zu Sprach gesteuerten Videospielen (so wie das Spiel „Tom Clancy’s: EndWar“, das durch Sprachbefehle bedient wird), haben wir bereits einige innovative Applikationen gesehen.

Links: iPhone | Rechts: Tom Clancy’s EndWar
MIT hat kürzlich einen Rollstuhl mit einer Sprachsteuerung entwickelt, der nicht nur auf Sprachbefehle reagiert, sondern auch detaillierte Karten speichert, so dass er den Nutzer auf ein Sprachkommando hin an den gewünschten Ort bringt. Andere relativ neue Anwendungen von Sprach-Interfaces umschließen die „Search by Voice“ Funktion von Google Mobile.
Intelligente Oberflächen
Zu guter Letzt beschäftigen sich die Interface-Designer mit etwas, das so allgegenwärtig ist wie Luft: Oberflächen.
Wenn Sie einen wahrhaft inspirierenden Blick in die Zukunft werfen wollen, nehmen Sie sich eine Minute, um sich Microsofts Vision der Zukunft anzusehen. Wenn das nicht dafür sorgt, dass Sie in der Zukunft leben wollen, wird Sie auch keine andere Entwicklung überzeugen.
Okay, vielleicht sind wir noch etwas weiter davon entfernt, aber es werden definitiv ein paar konzeptionelle Ideen gezeigt, die es wert sind, sie mit Begeisterung zu verfolgen. Hierzu gehört CRISTAL, eine intelligente Oberfläche, die die Form eines gewöhnlichen Tisches annimmt. Was jedoch keineswegs gewöhnlich ist, dass dieser Tisch eine Vielzahl elektronischer Geräte in Ihrem Zimmer bedienen kann, wie z. B. Fernseher, Sound-Systeme, Beleuchtungen, Radios und sogar DVD-Spieler
.
Darüber hinaus hat eine Gruppe MIT-Studenten ein Prototyp-System entwickelt, das möglicherweise jede Oberfläche mittels einer Kamera und eines Projektors in eine intelligente Oberfläche verwandeln kann. Lesen die Zeitung und sehen Sie ein Video zu den Schlagzeilen direkt auf dem Papier. Sie müssen einen Freund anrufen? Strecken Sie Ihre Hand aus, um ein Zahlenfeld vor Ihren Augen erscheinen zu lassen. Natürlich handelt es sich um ein Konzept, aber definitiv eines, für das ich mich begeistern kann.


Kommentare
HUDs in Autos gibt es schon ziemlich lange. Laut wurde bereits 2001 der Corvette mit einem farbigen HUD präsentiert. Dann folgten auch Modelle von BMW und Cintroen C6.
Ich bin gespannt was die Zukunft bringt. Da steckt auf jeden Fall großes Potenzial.
interessanter Beitrag. mich persönlich hat schon immer die Augmented Reality fasziniert. Ich habe schon paar Implementationen IRL gesehen (in einem Labor an meiner Uni) und ich muss sagen: bei einer Verbreitung wird es unser ganzes Leben verändern.
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