
Immer mehr Online-Einzelhändler nutzen IP-Geolocation zu ihrem Vorteil, um die Einkaufsabläufe ihrer Kunden basierend auf ihrem Aufenthaltsort zu personalisieren. Anbieter wie Quova und Digital Element liefern eine Fülle von Standortdaten, inklusive des Landes, des Bundeslandes, der Stadt und ihrer Postleitzahl, der Verbindungsgeschwindigkeit, der Zeitzone, der Telefonvorwahl, der TV-Region usw. In diesem Blog veröffentliche ich einige Wege, die Einzelhändler nutzen, um mittels der Geolocation-Daten das Einkaufserlebnis ihrer Kunden zu optimieren.
Globale Navigation
Viele multinationale Einzelhändler und Hersteller wie Trekbikes.com binden häufig eine hässliche Länderauswahl auf Ihrer Startseite und somit vor ihrem Online-Shop ein. Dies hindert nicht nur Suchmaschinen am Zugriff auf die nachfolgenden Seiten, sondern stellt auch ein unnötiges Hindernis für potenzielle Kunden dar. Unter Zuhilfenahme von Geolocation-Daten könnte man die Kunden direkt zu dem Shop weiterleiten, der sich in dem Land befindet, von dem aus die Kunden browsen. Für mehrsprachige Länder wie Kanada und die Schweiz, kann die Sprache der Shops automatisch an die Sprache des Browsers angepasst werden.

Wenn Sie sich für diese Lösung entscheiden, sollten Sie daran denken, Ihren Kunden die Möglichkeit zu bieten, die Länder- und Spracheinstellungen manuell in der Kopf- oder Fußzeile der Seite zu ändern.

Selbst wenn Sie die Kunden nicht automatisch zum Shop ihres Landes leiten, können Sie sie trotzdem zur richtigen Seite lotsen. Besucher der Seite amazon.com sehen beispielsweise einen Link, der sie – falls vorhanden — zum jeweils länderspezifischen Shop leitet, z. B. wenn sie sich in Deutschland befinden.

Angebote & Produktlokalisierung
Reiseunternehmen können Geolocation nutzen, um geografisch relevante Angebote zu bewerben. Continental Airlines bewirbt beispielsweise spezielle Angebote, die den Kunden auf Basis der nahe gelegensten Flughäfen unterbreitet werden. Wird die Seite beispielsweise aus New York besucht, erscheinen Angebote für Flüge vom Flughafen New York.

Shops, die Outdoor-Artikel anbieten, können Einkäufern aus dem Nordosten der USA Wintersportartikel anbieten, während sie Kunden aus Florida und dem Südwesten Angebote für Sommersportartikel machen können.
Erfahrungsoptimierung
Anbieter von Geolocation-Services können darüber hinaus Daten zur Internetverbindung der Kunden zur Verfügung stellen. Dies ermöglicht es Ihnen zu sehen, ob die Einkäufer über eine Einwahlverbindung, Kabel, DSL, T1 oder andere Verbindungen ins Netz gehen oder ob sie sich eines mobilen Zugangs (3G) bedienen. Auf Basis dieser Informationen können Sie das Erscheinungsbild und den Inhalt der Seite beeinflussen, um sicher zu stellen, dass Ihr Online-Shop auf die Verbindungsart der Besucher abgestimmt ist. Nutzer, die mit einem mobilen Gerät auf die Seite zugreifen, können auf eine optimierte Seite weitergeleitet werden, während Nutzer, die eine langsamere Verbindung nutzen anstatt mit rotierenden Flash-Animationen mit einfachen Grafiken versorgt werden können.
Multi-Channel
Forrester Research sagt voraus, dass im Jahre 2012 rund ein Drittel aller Einzelhandelsumsätze vom Internet beeinflusst werden. Geolocation-Daten können die Online-Erfahrung für die Käufer verbessern, die Recherchen für einen Offline-Kauf durchführen. Seit einigen Jahren bieten Multi-Channel-Händler wie Sears Standort-Suchen, Lagerbestandsansichten und Möglichkeiten zur Vorbestellung und anschließenden Abholung an. All diese Funktionen stehen zur Verfügung, wenn die Kunden ihre Postleitzahl oder Stadt eingeben und die Geschäftsstelle(n) in ihrer Nähe wählen.


Werden Geolocation-Informationen genutzt, ist dieser Schritt überflüssig. Bis hin zur Postleitzahl liegen alle Informationen vor, um herauszufinden von wo der Kunde browst, so dass Sie ihm automatisch die nächstgelegene Geschäftsstelle und zur Ermittlung der Lage, zwecks Abholung und Ansicht der Lagerbestände anzeigen können.

Dies Vereinfacht den Ablauf für die Konsumenten und eliminiert die Eingabe der Postleitzahl / Stadt sowie die Standortfinder Pop-ups. In einigen wenigen Fällen kann die IP-Adresse eines Kunden von der Einkaufsregion abweichen. Dieser Problematik können Sie entgegenwirken, indem Sie eine Verknüpfung anbieten, mittels derer der Kunde andere Standorte finden kann und Cookies einbinden, die dazu dienen, dass der gewählte Standort beim nächsten Seitenbesuch automatisch herangezogen wird.
Bezahlungsoptimierung
Während des Bezahlvorgangs werden Neukunden dazu gezwungen eine große Menge persönlicher Daten einzugeben, sie u. a. die Liefer- und Rechnungsadresse umfassen. Geolocation-Daten können genutzt werden, um Felder wie das Land, das Bundesland und die Stadt automatisch auszufüllen, um somit die Anzahl der Angaben für den Kunden zu reduzieren. Ein einfacher Hinweis „Kein Versand nach xxxxxxx” erscheint, wenn sich der Interessent in einer Region befindet, in die nicht geliefert wird.
Versandkosten- und Steuern können ebenfalls auf Grund der Geolocation-Daten berechnet werden, ohne dass dafür die Postleitzahl angegeben werden muss. Auch hier sollte für die Kunden die Möglichkeit bestehen, die Postleitzahl zu ändern, wenn sich die Lieferadresse von dem Standort des Computers unterscheidet.

Betrug
Während der Bestellabwicklung können Geolocation-Daten genutzt werden, um die IP-Adresse des Käufers mit der Kreditkartenadresse und Lieferadresse zu vergleichen. Kommt es zu Unstimmigkeiten, zwischen den Angaben (der Kunde befindet sich in Russland, nutzt jedoch eine britische Kreditkarte und Rechnungsadresse), kann die Bestellung zwecks manueller Prüfung gekennzeichnet werden. Hierdurch wird das Betrugsrisiko verringert und Kosten, die auf Grund von Kreditkartenrückbuchungen entstehen werden gemindert.
Durchsetzung von digitalen Inhalten und Gebietsrechten
Vertrags- und Veröffentlichungsrechte bedeuten häufig, dass Medieninhalte nur in einer bestimmten geografischen Region veröffentlicht werden können. Beliebte Musik-Abo-Dienste wie Pandora und Spotify gewähren nur Nutzern aus den Ländern Zugriff, in denen sie ihren Service anbieten können.


Der Online-Player der BBC unterbindet den Zugriff aus Ländern außerhalb von Großbritannien, um die kommerziellen Rechte ihrer Pay-per-View-Kanäle in Ländern wie den USA, Kanada und Japan zu schützen.

Durchsetzung von Vertriebsrechten
Viele Hersteller machen Versandrestriktionen in verschiedene Märkte geltend, um Vertriebsrechte zu schützen. Zum Beispiel hat Backcountry.com eine Warnmeldung im Bezahlungsablauf integriert, welche die Kunden darauf hinweist, dass die Bestellung bestimmter Marken storniert wird, falls die Lieferung an einen Ort außerhalb der USA erfolgen soll.
Mit Geolocation stehen den Händlern zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um grenzübergreifende Versandeinschränkungen zu handhaben.
a) Sie können die Produkte vor Kunden verbergen. Ein deutscher Kunde wird nur die Produkte sehen, die problemlos nach Deutschland verschickt werden können.
b) Sie können die Versandbeschränkungen für die deutschen Käufer auf den Produktseiten angeben und damit darauf hinweisen, welche Produkte nicht verschickt werden können, bevor der Kunde den Bezahlungsvorgang einleitet.


Kommentare
Leider ist IP-Geolocation nicht so genau, wie man das als Seitenbetreiber gerne hätte bzw. man bekommt „genaue Daten“, die allerdings häufig nicht zutreffen — besonders bei Besuchern, die nicht aus Ballungszentren kommen.
Ich bin gespannt, wie sich Geolocation-Features mit dem Aufkommen von HTML5 insbesondere auf Smartphones wie iPhone/Android/Palm entwickeln werden — schließlich kann hier (mit Einwilligung des Nutzers) auf GPS-Daten zurückgegriffen werden!
Leider ist IP-Geolocation nicht so genau...
Meistens sind die genaueren GeoTargeting-Dienste/-Datenbanken kostenpflichtig. Auch MaxMind's bekanntes GeoIP Tool bietet genauere Datenbank gegen entgelt an.
Die neusten Smartphones beherrschen eigentlich fast alle die und liefern meistens ziemlich genaue Position. Bei Desktops ist es natürlich anders.
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