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Europas größte Tageszeitung blockt iPhone Nutzer

Vorbei sind die Zeiten, in denen man mobil und ohne Zusatzkosten auf Online-Inhalte zugreifen konnte. Für iPhone-Nutzer in Deutschland stehen fortan nicht mehr alle Webseiten kostenlos zur Verfügung. Wer mittlerweile die Websites von Europas größter Tageszeitung „BILD“ auf dem iPhone betrachten möchte, wird ab sofort praktisch dazu gezwungen, eine eigene neue iPhone Applikation zu erwerben. Die Boulevardzeitung will fortan alle Interessenten blocken, die versuchen mit einem iPhone-Browser auf ihre Internetseiten zuzugreifen.

Europas größte Tageszeitung blockt iPhone Nutzer

Die Leser müssen nicht nur für die dedizierte BILD- iPhone-Applikation in die Tasche greifen, sondern auch wiederkehrende Folgekosten für neue Artikel in Kauf nehmen. Gleiches Plant der Springer-Verlag auch für seine Tageszeitung „Die Welt“. Nutzer anderer Smartphones wie beispielsweise Blackberry, HTC oder Nokia werden derzeitig noch nicht geblockt. Dies wird jedoch der Fall sein, sobald der Springer-Verlag eine Applikation für diese Geräte einführt. Bislang war Bild.de mit 5,6 Mio. Nutzern und 1,36 Mrd. Seitenaufrufen Deutschlands zweite meistbesuchte Nachrichtenseite im Internet. Mit nur 20.000 Nutzern Unterschied ist Bild.de damit dicht auf den Fersen des Marktführers Spiegel online. Allerdings könnte der Wachstum einen Rückschlag erfahren, wenn die Axel Springer AG als Betreiber der Seite, Nutzungsgebühren einführt.

Versuchskaninchen: BZ Berlin für das iPhone
Springer gab im August bekannt, das auf lange Zeit gesehen alle Smartphone-Nutzer für die Angebote des Verlags zahlen müssen. Das iPhone ist das erste betroffene Gerät, da seine Nutzer — wie der Vorstandsvorsitzende Mathias Düpfner sich ausdrückt -„besonders Zahlungsbereit“ sind. Das erste Versuchskaninchen in diesem Bereich war Berlins größte Tageszeitung BZ. Für 0,79 € wurde ihre iPhone Applikation im Oktober auf den Markt gebracht und es zeigte sich, dass Düpfner Recht hatte, was die Zahlungsbereitschaft von iPhone-Nutzern angeht. Doch es ist ein riskanter Zug, iPhone-Nutzer zu blockieren, denn diese machen mittlerweile einen Anteil von 50% des gesamten Smartphone-Traffics im Internet aus und stellen damit mit ihrem Datentransfer alle anderen in den Schatten.

Düpfner selbst sagt, dass heute mehr als die Hälfte aller Leser der Springer Online-Inhalte iPhone-Nutzer sind. So lange wie die Wettbewerber ihre Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen und die Leser am Computer gebührenfrei auf die beiden Zeitung zugreifen können, kann sein Unternehmen theoretisch nur verlieren.
Die Strategie kann natürlich negative Konsequenzen haben, gerade wenn die Seiten mehr Leser gebrauchen könnten, die sich nicht von den Gebühren abschrecken lassen. Die BILD Zeitung wird regelmäßig vom Deutschen Presserat auf Grund von Sensationsjournalismus zensiert und Springers prestigeträchtige Zeitung „Die Welt“ verliert seit ihrer Geburtsstunde 1964 ständig Geld.

Die bizarre Strategie des Axel Springer Verlags steht im starken Kontrast zu anderen europäischen Zeitungen, die iPhone-Nutzern gegenüber großzügiger sind. Die britische Zeitung Guardian bietet eine volle iPhone-Browser Version sowie ein paar erstklassige generische Webseiten für mobile Geräte an. Selbst die angesehene Financial Times stellt eine gratis iPhone Applikation zur Verfügung, mit der ein Großteil des Inhalts kostenlos angesehen werden kann. Wer dennoch ein unheilbarer Nachrichtenjunkie ist, kann seinen Informationshunger für 1,59 € stillen und sich zusammen mit der Applikation World Newspapers den Zugriff auf 4.000 Zeitungen aus rund 200 verschiedenen Ländern herunterladen.

Es sieht ganz danach aus, als wäre dies am Axel Springer vorbeigegangen oder als wäre der Verlag von seinem gerissenen Plan überzeugt.
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4. Jan 2010, 19:54

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