
Bei den sozialen Netzwerken im Internet haben sich bisher nur relativ wenige Dienste – darunter Facebook und die VZ-Netzwerke – ein gutes Standing erarbeiten können. Google — einer der größten IT-Konzerne der Welt — wittert nun ebenfalls gute Chancen. Nachdem in der Vergangenheit mit Google Buzz bereits ein erster Versuch kläglichst scheiterte, unternimmt das Unternehmen nun mit Google+ einen weiteren Anlauf. Seit wenigen Wochen befindet sich der neue Dienst Google+ nun in einer Testphase. Mehr als zehn Millionen angemeldete Nutzer – und das obwohl zur Anmeldung eine Einladung notwendig ist – sprechen bisher eindeutig für Google. Neben vielen gleichen Funktionen stehen bei Google+ speziell die Beziehungen zu anderen Menschen im Vordergrund. Während es bei Facebook lediglich „Freunde“ gibt, bietet der neue Service des Suchmaschinenbetreibers die Möglichkeit, verschiedene sogenannte Circles zu erstellen. Dadurch lässt sich mit einer ziemlichen Exaktheit bestimmen, mit welchen Personen welche Inhalte geteilt werden sollen.
Kein Wunder, dass ein solches Feature von vielen Nutzern und auch in Expertenkreisen gut ankommt. Immerhin möchte man mit seinen engsten Freunden bestimmt nicht die gleichen Fotos oder Neuigkeiten teilen wie etwa mit dem eigenen Chef. Ein weiterer zentraler Punkt bei Google+ ist „+Hangouts“. Diese nette Funktion ermöglicht den angemeldeten Nutzern, Videogespräche oder einfache Chatgespräche mit mehreren Personen gleichzeitig führen zu können. In gewissen Punkten hat sich das Unternehmen aber sichtlich an dem aktuellen Marktführer im Bereich der sozialen Netzwerke orientiert. Dies trifft zum Beispiel auf den +1 Button zu, der das Gegenstück zu Facebook „Gefällt mir“-Knopf darstellt.
Für viele Insider war es schon in der Vergangenheit nur mehr eine Frage der Zeit, bis Google tatsächlich mit einem solchen Dienst an den Start gehen wird. In den letzten Monaten mussten die Verantwortlichen des IT-Konzerns mitansehen, wie die Internet-Nutzer immer weniger Zeit mit den Google Diensten verbrachten. In erster Linie lässt sich das darauf zurückführen, dass zahlreiche Personen oftmals mehrere Stunden im sozialen Netzwerk Facebook ihre Zeit vertreiben. Dabei ist es für den Suchmaschinenbetreiber unumgänglich, dass möglichst viele Menschen über einen etwas längeren Zeitraum ihre Seiten besuchen. Da der Großteil der Google-Einnahmen aus Werbung lukriert wird, sahen viele Szenekenner diesen Schritt Googles als essentiell an. Ein weiterer Mitgrund für die Entwicklung eines eigenen Dienstes hängt mit Sicherheit mit den Zukunftsplänen der beiden Google-Konkurrenten Facebook und Microsoft zusammen.
Die beiden verbrüderten Konzerne arbeiten gerade mit Hochdruck an einer „Sozialen Internet-Suche“. Insbesondere weil der Suchmaschinenbetreiber seine Verdienste zu einem erheblichen Teil über die Anzeigen bei den Suchergebnissen lukriert, dürfte Google eine solche Funktion naturgemäß ein Dorn im Auge sein. Nachdem nun ausführlich auf die Beweggründe Googles und die beiden wichtigsten Features eingegangen wurde, geht es nun zu einer Frage, die in gewisser Weise die Internet-Bevölkerung spaltet. Lohnt es sich überhaupt von Facebook zu Google+ überzuspringen? Das größte soziale Netzwerk Facebook zählt momentan den Aussagen der Betreiber zufolge an die 750 Millionen Nutzer. Angesichts der Tatsache, dass rund 7 Milliarden Menschen auf der Erde ihren Platz haben, ist ungefähr jede zehnte Person bei Facebook angemeldet.

Dabei müssen natürlich noch die ganzen afrikanischen Staaten abgezogen werden, wo das World Wide Web für viele immer noch mehr als nur Luxus ist. Dennoch sehen die Experten noch ausreichend Platz für ein weiteres soziales Netzwerk. Allerdings scheint es doch relativ unwahrscheinlich zu sein, dass die Internet-Nutzer in Zukunft auf zwei Portalen im gleichen Ausmaß aktiv sein werden. Aus diesem Grund müssen die Verantwortlichen von Google wohl hoffen, dass einige Nutzer Facebook den Rücken kehren und fortan bei Google+ aktiv sind. Bei einem gut gemachten Service kann dies ohne weiteres funktionieren. Selbiges haben wir nämlich bereits am Beispiel MySpace erlebt. War dieser Dienst vor einigen Jahren noch auf Augenhöhe mit Facebook, meldeten sich immer mehr User aufgrund fehlender Innovationen im Laufe der Zeit ab.
Ob sich tatsächlich mehrere Millionen Menschen vom aktuellen Marktführer abmelden werden um ihre Zelte beim neuesten sozialen Netzwerk aufzuschlagen, kann zum jetzigen Zeitpunkt wohl nur schwer vorhergesagt werden. Vieles wird natürlich auch davon abhängen, wie die Macher von Facebook in den nächsten Wochen und Monaten auf den neuen Konkurrenten reagieren werden. Fürs Erste lässt sich schon einmal sagen, dass es wohl definitiv nicht ausreichen wird wenn man lediglich den Export der Facebook-Kontakte in Google+ verhindert. Mit der Ankündigung des Video-Chats und optischen Verbesserungen im Kommentar-Bereich, stellt Facebook bereits die Weichen für die Zukunft. Wie wir ja in der Vergangenheit schon des Öfteren gelernt haben, belebt Konkurrenz das Geschäft. Daher kann ein neuer und frischer Dienst wie Google+ nicht schaden. Eventuell werden sich die beiden sozialen Netzwerke in der kommenden Zeit einen offenen Schlagabtausch in Puncto — neue Funktionen geben. Fakt ist ebenfalls, dass Facebook aufgrund seiner breiten Basis wohl deutliche bessere Chancen haben wird, die Position des Marktführers weiterhin zu behaupten. Völlig unabhängig davon wie dieses Duell ausgehen wird, werden aufgrund der zahlreichen Neuerungen definitiv die Nutzer die größten Profite daraus schlagen können.

Wie viel Macht ist „gesund“?
Auch das ist eine ziemlich heikle Frage. In der IT-Branche gibt es schon praktisch keine Segmente mehr, wo Google nicht mitmischt. Neben seiner unumstrittenen Position als Suchmaschine Nummer Eins, bietet das Unternehmen auch einen E-Mail-Dienst, das Videoportal YouTube und seit kurzem natürlich auch das soziale Netzwerk Google+. Auch ein eigener Browser, ein eigenes Betriebssystem sowie eine kommende Kollektion an sogenannten Chromebooks runden das umfangreiche Angebot Googles ab. Nicht zu vergessen ist aber auch der Bezahldienst NFC, der in den kommenden Monaten verstärkt auf den Smartphones Einzug erhalten soll. Dieser wird den Smartphone-Besitzern das Einkaufen via Handy ermöglichen. Für die Konsumenten und Internet-Nutzer mag sich dies fürs Erste wohl ganz gut anhören, doch stellen sich immer mehr Menschen die durchaus berechtigte Frage, ob die Macht Googles nicht schon langsam an ein Ende kommen sollte. Selbstverständlich ist es nichts Verwerfliches, dass auch der Google-Vorstand Ambitionen hegt sein Imperium weiter auszubauen. Einige Kritiker befürchten jedoch, dass der Konzern früher oder später das komplette „Sagen“ über das Internet haben könnte.
Ein möglicher erfolgreicher Aufstieg von Google+ zum beliebtesten sozialen Netzwerk würde natürlich dazu beitragen. Aber sollte uns das tatsächlich davon abhalten, eventuell von einem Umstieg von Facebook zu Google+ abzusehen. Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass die Macht des Konzerns im Internet dadurch größer werden würde, eine gesteigerte „Gefahr“ dürfte aber ohnehin nicht bestehen. Viel größere Sorgen bereitet da der geplante Bezahldienst. Sofern dieser von den Smartphone-Besitzern auch tatsächlich genutzt wird, erfährt Google immer genau wann und wo eingekauft wurde. Auch wenn jeder der einzelnen Faktoren wohl sprichwörtlich das Kraut nicht Fett machen würde, macht es schlussendlich die Summe an Diensten und Angeboten. Wie bereits etwas weiter oben erwähnt, spricht vor allem die Circle-Funktion die Internet-Nutzer an. Dies ist zugleich auch jener Punkt, der Google im Falle von Google+ am meisten zugutegehalten werden muss.
Mit dieser Methode lässt sich verhindern, dass manche Informationen nicht in die Hände „falscher Personen“ gelangen. Diese erweiterte Funktion ist aber natürlich auch wieder mit einer Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten und möglichen Vorkehrungen verbunden. Nachdem einige Internet-Nutzer schon scheinbar mit der Auswahl zwischen öffentlichen und privaten Einladungen Probleme haben, könnten diese Komplikationen in Google+ noch verstärkter auftreten.


Kommentare
Kommentieren